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Lesefutter

Nach längerer Pause melde ich mich wieder zurück. Da ich in letzter Zeit viel mit der Bahn fahre, ist die Liste der gelesenen Bücher ziemlich groß. Dieser Beitrag dreht sich aber nur um zwei Bücher. Diese Bücher finde ich so besonders, dass sie nicht in einem großen Beitrag untergehen sollen.

Das erste Buch ist Die Macht der Geographie von Tim Marshall. Der Untertitel Wie sich die Weltpolitik anhand von 10 Karten erklären lässt beschreibt sehr schön den Inhalt des Buches. Tim Marshall betrachtet die Politik einiger Länder anhand der geographischen Gegebenheiten und hilft so, manche politische Entscheidungen besser zu verstehen (auch wenn man sie trotzdem nicht gutheissen muss). Ein Beispiel ist Russland, dass deshalb Pufferstaaten zwischen sich und Europa stellen möchte, da die nordeuropäische Tiefebene für potentielle Angreifer kein geographisches Hindernis darstellt. Im Buch wird auch das Verhältnis von Indien und Pakistan betrachtet sowie geopolitische Gründe für die Besetzung Tibets durch China. Aber es beschreibt auch Gründe, warum manche Gebiete auf der Erde sich wirtschaftlich besser entwickelt haben als Andere. Hier wird z.B. Europa (Wasserverbindung von Norden nach Süden und keine großen trennenden Bergketten) mit Lateinamerika verglichen. Solche Gründe mögen nicht die Einzigen sein, aber es ist interessant darüber mal nachzudenken. Der Autor beschränkt sich weitgehend auf Fakten und das mag nicht jedem gefallen; aber so wird man in seiner Meinungsbildung nicht beeinflusst.

Wer in diesem Jahr nur ein Buch zum Thema Politik/Geschichte lesen will, dem lege ich dieses Buch ans Herz.

Das zweite Buch widmet sich einem Thema, bei dem viele Leute aufstöhnen werden: Mathematik. Leider ist schlechter Mathematik-Unterricht oft der Grund, warum Menschen keinen Bezug zur Mathematik finden. Die Mathematik ist aber nicht nur eine große geistige Leistung der Menschheit und bietet viele Möglichkeiten den eigenen Verstand zu trainieren, sondern ist auch extrem wichtig für das Verstehen der heutigen Welt. Man nehme hier nur das Thema Statistik, zu dem ich später auch noch einen Tipp haben werde. Aber bleiben wir erst mal bei meinem Buchtipp.

The Joy of x wurde von Steven Strogatz verfasst, einem Professor für angewandte Mathematik. Ausgehend von der (scheinbar) simplen Tätigkeit des Zählens nimmt Strogatz den Leser mit auf eine Reise durch die Mathematik. Dem Subtrahieren, Multiplizieren und Dividieren sind eigene Kapitel gewidmet, die selbst bei so einfachen Themen plötzlich neue Einsichten bringen. Ohne daß man sich versieht, steckt man plötzlich mitten in Variablen und wird in das Land der Funktionen geführt. Weitere Themen sind Geometrie, Differential- und Integralrechnung, Statistik und immer wieder das Thema der Unendlichkeit. Bei Letzterem darf Hilberts Hotel nicht fehlen.

Das klingt jetzt nach einem anstrengenden Buch; aber ich kann versprechen, dass man ohne größere Anstrengungen von Thema zu Thema wandert und sich ständig neue Erkenntnisse ergeben.

Ich habe selber Mathematik studiert und schon viele Bücher zu dem Thema gelesen; aber dieses Buch ist einzigartig. Ich empfehle, immer mal wieder ein Kapitel zu lesen (nur keine zu großen Abstände dazwischen) und in den Pausen das Gelesene sich setzen zu lassen.

Will man der Mathematik noch mal eine Chance geben oder sagt man sich, dass man nur noch ein Buch über Mathematik in seinem Leben lesen will, dann ist es dieses Buch.

Ich habe das Buch auf Englisch gelesen, aber mittlerweile gibt es auch eine deutsche Ausgabe (bisher aber wohl nur als Hardcover). Der deutsche Titel ist The Joy of x: die Schönheit der Mathematik.

Buchtipps

Das erste Buch bringt zwei Welten zusammen, die auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun haben: Mathematik und Kriminalistik. Dieses Thema wurde ja schon in der (leider viel zu früh eingestellten) Fernsehserie Numb3rs thematisiert[1]. Das Buch Wahrscheinlich Mord von Coralie Colmez und Leila Schneps beschreibt den Einsatz von Mathematik vor Gericht und den Fallstricken, die dabei lauern. In den beschriebenen Fällen werden Wahrscheinlichkeitstheorie und Statistik dazu benutzt, die Schuld von Angeklagten zu „beweisen“. Die Autorinnen zeigen nachvollziehbar auf, welche teils haarsträubenden Fehler gemacht werden. Da werden schon mal „bedingte“ mit „unabhängigen“ Wahrscheinlichkeiten vertauscht, was teils fatale Auswirkungen auf die (unschuldig) Verurteilten hat; oder es wird „sehr unwahrscheinlich“ mit „kann nicht sein“ verwechselt. Das Buch ist so geschrieben, dass man auch ohne mathematische Vorkenntnisse gut folgen kann und es ist spannend zu lesen, wie die fehlerhaften Anwendungen Stück für Stück widerlegt werden.

Das zweite Buch ist eigentlich kein Buch, sondern es handelt sich um ein Heft aus der Reihe GEO Epoche: Geschichte der Spionage. In 17 Beiträgen geht die Reise vom 13. Jahrhundert (ein Spion des Papstes am Hof der Mongolen) über Industriespionage im 18. Jahrhundert bis zu Geschichten aus dem zweiten Weltkrieg (Enigma) und dem kalten Krieg (Die „Cambridge Five“). Es wird auch über die Ursprünge von BND, Mossad, KGB CIA und NSA berichtet und schliesst ab mit einem mehrseitigen Abriss der Geschichte der Spionage. Ich fand das Heft sehr spannend.

[1] Hierzu noch ein Buchtipp: The numbers behind Numb3rs von Gary Lorden (mathem. Berater der Serie) und Keith Devlin (bekannter Mathematiker und Buchautor).


 

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