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Buchtipps

Das erste Buch bringt zwei Welten zusammen, die auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun haben: Mathematik und Kriminalistik. Dieses Thema wurde ja schon in der (leider viel zu früh eingestellten) Fernsehserie Numb3rs thematisiert[1]. Das Buch Wahrscheinlich Mord von Coralie Colmez und Leila Schneps beschreibt den Einsatz von Mathematik vor Gericht und den Fallstricken, die dabei lauern. In den beschriebenen Fällen werden Wahrscheinlichkeitstheorie und Statistik dazu benutzt, die Schuld von Angeklagten zu „beweisen“. Die Autorinnen zeigen nachvollziehbar auf, welche teils haarsträubenden Fehler gemacht werden. Da werden schon mal „bedingte“ mit „unabhängigen“ Wahrscheinlichkeiten vertauscht, was teils fatale Auswirkungen auf die (unschuldig) Verurteilten hat; oder es wird „sehr unwahrscheinlich“ mit „kann nicht sein“ verwechselt. Das Buch ist so geschrieben, dass man auch ohne mathematische Vorkenntnisse gut folgen kann und es ist spannend zu lesen, wie die fehlerhaften Anwendungen Stück für Stück widerlegt werden.

Das zweite Buch ist eigentlich kein Buch, sondern es handelt sich um ein Heft aus der Reihe GEO Epoche: Geschichte der Spionage. In 17 Beiträgen geht die Reise vom 13. Jahrhundert (ein Spion des Papstes am Hof der Mongolen) über Industriespionage im 18. Jahrhundert bis zu Geschichten aus dem zweiten Weltkrieg (Enigma) und dem kalten Krieg (Die „Cambridge Five“). Es wird auch über die Ursprünge von BND, Mossad, KGB CIA und NSA berichtet und schliesst ab mit einem mehrseitigen Abriss der Geschichte der Spionage. Ich fand das Heft sehr spannend.

[1] Hierzu noch ein Buchtipp: The numbers behind Numb3rs von Gary Lorden (mathem. Berater der Serie) und Keith Devlin (bekannter Mathematiker und Buchautor).


 

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Buchtipps

Da ich längere Zeit nichts gebloggt habe, stapeln sich auf meinem Tisch die gelesenen Bücher. Es ist also mal wieder Zeit für ein paar Buchbesprechungen.

Anfangen möchte ich mit dem Buch Der heilige Krieg von Guido Knopp, Stefan Brauburger und Peter Arens. Das Buch beschreibt die (militärischen) Konflikte zwischen muslimischen und christlichen Konfliktparteien von der Geburt des Islams bis heute. Dabei wird beschrieben, dass sich gerade die muslimischen Eroberer z.B. während der Kreuzzüge deutlich humaner verhalten haben in Bezug auf die Schonung des Gegners und der Zivilbevölkerung. Es wird auch aufgezeigt, wie die westlichen Mächte die muslimischen Völker gerne ausgenutzt hat, um eigene Ziele zu verfolgen (z.B. im ersten Weltkrieg). Aber es wird auch beschrieben, wie die muslimischen Länder im Laufe der Jahrhunderte durch eigenen Fehler ihre Vormachtstellung in Kultur und Wissenschaft verspielten. Das Buch liefert gutes Hintergrundwissen, um die Situation im nahen und mittleren Osten besser verstehen zu können. Bei einem Preis von 12,99€ und einem Umfang von ca. 380 Seiten (und einem handlichen Format) ist das eine schöne Urlaubslektüre.

Das nächste Buch ist Geheimer Krieg von Christian Fuchs und John Goetz. In disem Buch wird aufgezeigt, wie wichtig Deutschland für den „KAmp gegen den Terror“ der USA ist und wie tief verwickelt deutsche Dienste sind. Es geht hierbei um die Steuerung von Drohnen, das Koordinieren von Einsätzen auf dem afrikanischen Kontinent und das Abhören. Obwohl ich Einiges schon aus anderen Quellen kannte, haben mich die detaillierten Beschreibungen schon öfter geschockt. Wer sich eingehender mit diesem Themenkomplex beschäftigen will, dem kann ich das Buch nur sehr ans Herz legen.

Mit dem dritten Buch bleiben wir in Deutschland; aber jetzt geht es um das organisierte Verbrechen. Der ehemalige Kölner Staatsanwalt Egbert Bülles beschreibt in „Deutschland Verbrecherland?„, wie sich die organisierte Kriminalität in Deutschland ausgebreitet hat und welchen Problemen sich Polizei und Ermittlungsbehörden stellen müssen. Ich stimme ihn nicht immer zu (z.B. beim Thema Vorratsdatenspeicherung), aber das Buch enthielt doch einige interessante Informationen. Die größten Probleme scheinen das Desinteresse der Politik sowie die personelle Unterbesetzung von Polizei und Staatsanwaltschaft zu sein. Auch wenn man, wie ich, seine Aussagen nicht immer teilt, ist es ein wichtiges und interessantes Buch. Und man soll ja sowieso nicht immer nur Sachen lesen, die einen in der eigenen Meinung bestärken.

Nun gehen wir von der Sachbuchabteilung weg in die Thriller-Ecke. Das erste Buch ist Biest von Jenk Saborowski. Dieses Buch reiht sich ein in die Liste der Bücher, bei denen es sich um Cyber-Attacken gegen Industrieanlagen dreht. Das Buch spart nicht an Klischees (böse Russen), aber ist ganz unterhaltsam geschrieben. Ich will nicht zu viel über den Inhalt verraten, aber das Ende enthält einen netten Twist. Als HArcover wäre mir der Preis zu hoch, aber das Tschenbuch stellt ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis dar. Das richtige Buch für den Strand;-)

DAs letzte Buch ist Silent Control von Thore D. Hansen. Auch dieses Buch dreht sich (surpise, surprise) um die Themen Hacker, Überwachung und Geheimdienste. Hier will ein schwedischer Hacker nur mit Hilfe eines selbst geschriebenen Programms für Transparenz sorgen und steckt plötzlich inmitten einer Verschwörung, in die auch die CIA verwickelt ist. Deren Leiter hat etwas entwickeln lassen, dass Überwachung in ungeahnter Dimension ist. Und es wird auch sehr schön beschrieben, wer daran Interesse haben könnte und wie man widerstrebende Politiker dazu bringt, den Einsatz zu unterstützen. Das Buch braucht etwas, bis es einen fesselt; aber das Durchhalten wird mit einer interessanten Geschichte belohnt. Inwieweit man die beschribene technologie für realistisch hält, muss jeder selbst entscheiden. Ich bezweifle nicht, dass daran geforscht wird; aber ich hoffe sehr stark, dass das nie jemand einsetzt.

Das soll es für heute erst mal gewesen sein.

Neues zur Zusammenarbeit BND+NSA

Wie ich gerade bei Heise Online lesen darf, leitete der BND jahrelang Daten aus einem deutschen Internetknoten in die USA weiter. Das ist ja schon ein starkes Stück. Das Ganze passierte während der rot/grünen Koalition. OK, die haben sich damit endgültig bei dem Thema disqualifiziert. Herr Steinmeier steckte natürlich auch mit drin. Dem glaube ich noch nicht mal mehr die aktuelle Uhrzeit. Und die parlamentarische Kontrollkomission wusste davon: nix (ok, korrekt: von der Weiterleitung der Rohdaten). Was war deren Sinn noch mal?

Aber wir müssen uns ja keine Sorgen machen. Die Daten deutscher Internetnutzer werden ausgefiltert. Mails mit „.de“-Adresse werden vorher ausgefiltert. Oh, warte mal. Ich habe seit Jahren bei GMX (einem deutschen Anbieter) eine Mailadresse. Die endet nur dummerweise auf „.net“.

Letztendlich wurde es den (deutschen) Beteiligten dann wohl zu heiß und die Weiterleitung wurde beendet. Jetzt sortiert der BND vorher vor…

Verstieß die Geschichte eigentlich gegen deutsches Recht? Falls ja, wird dafür jemand angeklagt? Und falls nicht, übernimmt jemand die politische Verantwortung und tritt zurück? Schliesslich war es den Beteiligten ja „politisch zu brisant“; also war denen klar, dass die Bevölkerung nicht unbedingt sein würde.

Aber vermutlich verkaufen Sie uns das noch als Erfolg; schliesslich wollte die NSA ja einen direkten Zugriff und der wurde nicht nicht gewährt.

Mal ganz ehrlich: Politiker mit Rückgrat hätten auf solch eine Anfrage mit schallendem Gelächter reagiert (und keinen „Kompromiß“ gesucht). Haben wir nur nicht.

PS: falls mir noch mal ein Grünen-Wähler oder -Politiker mit „Bürgerrechte“ kommt, lache ich ihn/sie aus.