Monthly archives "April 2016"

Der Innenminister und das Bundesverfassungsgericht

Das Bundesverfassungsgericht hat dem Gesetzgeber beim BKA-Gesetz was auf die Finger gegeben, weil mal wieder schlampig gearbeitet wurde. Anstatt nun in aller Ruhe (und Demut) das Gesetz zu überarbeiten, kommt von unserem lieben Bundes-Innenminister folgernder Spruch (Quelle: SPON):

„Ich finde, dass ein nationaler Grundrechtsschutz, so wichtig er ist, auch im Angesicht der Internationalisierung von Gefahren betrachtet werden muss.“

Lieber Herr Innenminister, das Verfassungsgericht hat zu entscheiden, ob ein nationales Gesetz der deutschen Verfassung (also dem Grundgesetz) entspricht. Nicht mehr und nicht weniger. Mir ist auch nicht ganz klar, was nun an der „Internationalisierung von Gefahren“ nun neu sein soll. Auch früher schon haben Terroristen schon mal landesübergreifend gebombt (IRA) oder international zusammengearbeitet (RAF, PLO, Rote Brigaden); von Rechten ganz zu schweigen.

Sie haben lieber das Internationale im Blick? Da hätte ich einen Vorschlag: stellen Sie doch mal Haftbefehle für die Vorbereitung und Durchführung eines Angriffskrieges aus. Da würden mir einige Namen einfallen. Und ansonsten: Hände weg vom Bundesverfassungsgericht.

Wenn ich mir regelmäßig eine Klatsche von dort einfangen würde, würde ich mal über die Qualität der eigenen Arbeit nachdenken. Aber bei Selbstreflektion haben sie offensichtlich gefehlt.

 

 

Zahlentricksereien oder warum ein guter Mathematikunterricht wichtig ist

Vor ein paar Tagen lief in der ARD die Sendung „Die Story im Ersten: Im Land der Lügen“. Mal davon abgesehen dass die Sendung mal wieder zu einer unmöglichen Zeit kam (22:45 Uhr) handelt es sich hier um einen Beitrag, den jeder mal gesehen haben sollte und der sich auch gut für den Politik- oder Mathematikunterricht eignet. Anhand einiger Beispiele wurde gezeigt, wie man mit dem Verknüpfen von Aussagen (und dem Weglassen entscheidender Informationen) zu ganz seltsamen Ergebnissen kommen kann („kleine Menschen gehen häufiger zum Arzt“). Auch wurde gezeigt, wie man Grafiken oder Statistiken „passend“ machen kann, je nachdem welches Ergebnis man erzielen will. Es wurde aber auch gezeigt, wer die treibende Kraft hinter manchen Aussagen ist. Mir war z.B. nicht bekannt, dass der Arzt, der den Zusammenhang zwischen Cholesterin und Fett im Essen (z.B. in der Butter) als Erster propagiert hat, für das Margarine-Institut gearbeitet hat während er diesen Artikel schrieb. An anderer Stelle wurde aus einem Einkommenszuwachs über 10 Jahre plötzlich ein Zuwachs innerhalb eines Jahres. So was kann vor lauter Begeisterung über TTIP ja schon mal passieren; das sollte man dem INSM (Institut für neue soziale Marktwirtschaft) nicht übel nehmen;-)

Eine wichtige Aussage eines Forschers war, dass man sich besser informieren soll, wie Statistiken zu lesen sind. Ich folge dem Aufruf ja schon länger und habe schon einige gute Bücher gefunden. Und ja, die kann man auch lesen, wenn Mathe in der Schule nicht das Lieblingsfach war…

Aktuell kann ich dazu empfehlen:

Walter Krämer: So lügt man mit Statistik

ISBN: 978-3-593-50459-9

Preis: 19.99€

Der Preis mag einem für 200 Seiten erst ein wenig teuer vorkommen; aber es lohnt sich. Man muss seinen politischen Ansichten nicht unbedingt zustimmen, aber die Ausführungen zum Missbrauch von Statistiken, der falschen Anwendung von Wahrscheinlichkeitstheorie sowie dem Manipulieren von Grafiken sind sehr erhellend.

Ein nettes Beispiel: in Mexiko wollte man die Kapazität der Autobahnen dadurch erhöhen, dass man eine dritte Spur einführt. Da man vorher zwei Spuren hatte, entsprach das einer Kapazitätserweiterung von 50%. Man hat aber keine dritte Spur angebaut, sondern einfach aus zwei Spuren drei gemacht. Das führte dann aber zu deutlich mehr Unfällen. Also strich man die dritte Spur wieder und verringerte so die Kapazität um 33%. Laut ECONOMIST meldete die mexikanische Regierung im Abschlussbericht dann eine Netto-Kapazitätserweiterung von 17%…

Die Fernsehsendung findet man übrigens noch bis zum 11.04.2017 in der ARD Mediathek[1]. Klare Guckempfehlung!

PS: genau für solche Sendungen bezahle ich gerne meine Rundfunkgebühren.

[1] http://www.ardmediathek.de/tv/Reportage-Dokumentation/Die-Story-im-Ersten-Im-Land-der-L%C3%BCgen/Das-Erste/Video?bcastId=799280&documentId=34622130

 

AD-Attribut Mailadressen auslesen

Ich bin ein großer Fan von PowerShell. Die Befehle gerade für das Active Directory bzw. Exchange erleichtern die Arbeit doch sehr. Allerdings findet man sich manchmal in Situationen wieder, in denen man etwas durchführen möchte ohne dass einem die PowerShell zur Verfügung steht. Dazu gehört das Auslesen von AD-Attributen in älteren Umgebungen ohne PowerShell.

Konkret hatte ich das Problem in einer Exchange 2003 Umgebung mit nur einem Domänenkontroller und der lief unter Windows 2000(!). Fragt lieber nicht…

Ziel war ein Umzug der Postfächer in ein neues Active Directory mit Exchange 2016. Aufgrund des Windows 2000 DCs (und dem Nichtvorhandensein von 3rd Party Tools) musste ein Teil der Arbeiten manuell gemacht werden. Zumindest für die Anlage der Benutzer konnte ich aber das PowerShell-Skript „Prepare-MoveRequest“ benutzen.

Nun wollte ich aber gerne überprüfen, ob alle SMTP-Adressen der Benutzer vollständig und korrekt übertragen wurden. Auf dem Zielsystem war das dank PowerShell ja kein Problem; nur die Option gab es in der Quellumgebung nicht. Hierzu griff ich dort zuerst auf CSVDE zurück. Das führte aber zu einem kleinen Problem…

Hierzu muss man wissen, dass Benutzer mehrere Mailadressen haben können. Fragt man nur das Attribut „mail“ ab, bekommt man höchstens die Adresse, die für ausgehende Mail eingetragen wird.

csvde -r "(mail=*)" -d "dc=contoso,dc=com" -l mail -f "C:\Temp\gal.csv"

Was man eigentlich abfragen will ist das Attribut „proxyAddresses“. Dummerweise enthielt dieses Attribut aber, neben den SMTP-Adressen, in meinem Fall auch noch X400- und X500-Adressen. Ich habe dann innerhalb von Excel versucht, diese Adressen irgendwie beim Import der CSV-Datei abzuspalten; aber dazu ist mein Excel Kung Fu wohl zu schwach.

Eine Suche im Internet brachte mich dann auf das Tool „ADFIND“[1],[2]. Leider entsprach das Ergebnis noch nicht meinen Wünschen. Aber nach ein bisschen Kopfkratzen kam ich dann auf

C:\System\AdFind.exe -nolabel -b OU=Desktop_User,DC=contoso,DC=com proxyAddresses

| find /I "smtp" > smtp-addresses.txt

(alles in einer Zeile)

Die Datei enthielt dann zwar eine Adresse pro Zeile; aber da es sich nur um 80 Mailboxen handelte, reichte das Ergebnis vollkommen aus.

Vielleicht hilft das ja jemand weiter.

[1] https://serverfault.com/questions/207574/how-to-export-all-e-mail-addresses-from-exchange-2003

[2] http://www.joeware.net/freetools/tools/adfind/index.htm